So wird Geld verdient

17. Oktober 2018

Mittwoch, 19.30

Rolf Becker liest Texte über „Geld“

Dozent:  Rolf Becker Schauspieler

Was er zusammengetragen hat an Texten über die Machenschaften des entfesselten Geldes, von der Antike bis in die Jetztzeit, das kann sich hören lassen. Und es ist etwas Besonderes. Das besondere steckt im Detail, nämlich, dass einer, der sich empört, Texte aus der Zeit von 400 vor unserer Zeitrechnung vorträgt und sich das anhört, als hätte es gestern in der Zeitung gestanden. Normalerweise findet man schon Texte aus dem vorigen Jahrhundert altertümlich.

Ich weiß nicht wie es Rolf Becker gemacht hat, aber er zitiert Goethe und es ist nicht blumig, er zitiert Aristophanes und es hört sich nicht antik an, selbst die Bibel klingt nicht religiös und Marx nicht kompliziert. Scheinbar haben, wenn es um Geld ging, schon immer alle die gleiche Sprache gesprochen, vielleicht hat das Geld schon immer die gleiche Wirkung gehabt?

Tatsache ist, was Rolf Becker unter dem Motto: „So wird Geld verdient“ als Literarischen Streifzug durch die Geschichte der Ökonomie bezeichnet, ist ein amüsantes Greuelpanoptikum, man wusste es längst, aber man konnte es sich bis dato nicht wirklich vorstellen, Rolf Becker hat es einem super gut nahe gebracht.

Geld – man hat etwas begriffen darüber und das ohne das umfangreiche Sachbuch eines Politökonomen gelesen zu haben. Das vermag Literatur, und auch das zeigt uns Rolf Becker, nicht sie allein, es braucht jemanden, der ihren Worten Leben gibt, ihr körperlichen Ausdruck verleiht, gut und eindrucksvoll vorträgt. Das ist gelungen.

Ich weiß nicht, warum das so ist, aber das Gehirn freut sich, wenn es gute Sachen zu hören, zu lesen, zu sehen bekommt, Sachen, die Denkprozesse anstoßen, die Zusammenhänge einleuchtend machen, die uns die Welt durchschaubar machen und die nicht Mord und Totschlag zu Heldentaten umdichten, sondern stattdessen erklären, wie es zu Mord und Krieg, Betrug und Ausbeutung kommt und wie man also vorbeugen können würde, was doch immerhin besser ist.

Dann gelingt es Rolf Becker auch, das Gefühl zu vermitteln, wir seien nicht wenige, die so denken, nein, wir sind und waren stets viele, wir haben Vorgänger bis in die Antike und durch alle Zeiten hindurch, und wir können, mit Hilfe dieses Programms, obgleich man in uns doch am liebsten den Gottseibeiuns sieht, die Großen der abendländischen Kultur als völlig auf unserer Seite befindlich konstatieren, wie etwa:

„Die Menschen haben nichts Schlimmeres als das Geld erfunden, das Geld zerstört die Gemeinschaft, es zerstört Städte und Staaten, es vertreibt Familien von Haus und Hof, bringt auf schlechte Gedanken und macht zu allem fähig, das Geld macht aus Menschen Verbrecher!“ (Sophokles, Antigone, 442 v.u.Z.)

Doch auch Neuzeitliches gibt es genug und selbst schwierige ökonomische Prozesse, wie die Mechanismen des internationalen Schulden- Kreditwesens und die jüngsten KrisenKriegsPleiten hat man am Ende besser begriffen als vorher, wenn das nichts ist?

Rosa Luxemburg Stiftung
Schleswig-Holstein
und Masch-Wedel

 

Ort: AWO -Tagesstätte, siehe Anfahrt

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